Die zentrale Thematik des Seminars ist der Zusammenhang von konkreter praktischer bildungswissenschaftlicher Tätigkeit und Forschungsmethoden - d.h. die Frage danach, wie qualitative Forschung das eigene professionelle Handeln fundieren kann. Erster Schwerpunkt des Seminars ist deshalb eine Annäherung an die bildungswissenschaftliche Fallarbeit mittels Vorbereitung, Durchführung und Reflexion eigener teilnehmender Beobachtungen in pädagogischen Kontexten. Zweitens findet eine gemeinsame Auseinandersetzung mit qualitativen Forschungsmethoden/ -haltungen statt, um deren Potentiale aber auch Grenzen für das professionelle Handeln in den eigenen Handlungsfeldern zu identifizieren. Dritter Fokus sind die konkreten Erfahrungen (Situationen, Fälle, Herausforderungen, Probleme), die vor dem Hintergrund einschlägiger theoretischer Rahmen (Vertrauens-  und Arbeitsbündniskonzepte) diskutiert werden.

Anders als im öffentlichen Diskurs wird Bildung in (erziehungs)wissenschaftlichen Kontexten nicht mit Qualifikation (Verfügungswissen) gleichgesetzt. Bildungsprozesse werden vielmehr über das Reflexionsniveau (Orientierungswissen) bestimmt. Entsprechend fokussiert qualitative Bildungsforschung "den Aufbau, die Aufrechterhaltung und die Veränderung von Welt- und Selbstreferenzen" (Marotzki 1999, S. 335) i.S.v. von Arten und Weisen, Sinn und Bedeutung bezüglich der eigenen Person und der Welt herzustellen. Im Rahmen dieses Seminars findet eine vertieftere Einarbeitung in die Methoden und Methodologien (verstärkt Interaktionsanalysen und rekonstruktive Verfahren) qualitativer Bildungsforschung statt – zum einen in der Auseinandersetzung mit exemplarischen Studien und zum anderen bei der Konzeption eigener (Gruppen)Forschungsprojekte. Schwerpunkte sind dabei die reflexive Entwicklung einschlägiger Forschungsfragestellungen und die Vorbereitung der Datenerhebung.